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 Dr. Paul Assmy

 

 

Heidelberg im Jahr 1895

  

Bei einem der geselligen Treffen von Studenten und Mitgliedern des Heidelberger Ruderklubs von 1872 vermutlich im Vereinslokal Cafe Wachter in Heidelberg bezeichnet Prof.Dr. Edward Hill Ullrich, Präsident des Ruderklubs die Verbindungsstudenten als schlaff und behauptet, sie wären nicht in der Lage eine Ruderstrecke über Neckargmünd hinaus zu schaffen. Der Engländer Braham, der Franzose Louis Labbez , die Jurastudenten Berker und Müller sowie der Medizinstudent Assmy nehmen diese Stichelei zum Anlass und brechen am 02.09.1895 in Heidelberg mit dem Ruderboot Emil zu einer Fahrt über den Neckar auf.

  

 

   Aus „The Badminton Magazine of Sports and Pastimes”

 

 

 Route von Heidelberg nach Ebersbach

 

 40 Meilen werden die unerfahrenen Ruderer auf dem Neckar zurücklegen und auch den Hackteufel, einen Abschnitt des Flusses mit unberechenbaren Strömungen und Felsbarrieren überwinden. Zum Kapitän wählen sie Paul Assmy, ein guter Turner und Schwimmer sowie bekannter Duellant. Er behauptet, sich an jeder Universität duelliert zu haben und viele Narben bezeugen die Fechtkämpfe. Paul Assmy wird ebenfalls zum ersten Mal rudern und dennoch vertrauen die Mannschaftskameraden auf seine Zielstrebigkeit sowie physische Stärke, die sie durch die Ereignisse dieser Fahrt tragen wird.

 

Wenige Jahre später wird eben diese Zielstrebigkeit sowie Stärke,  gepaart mit einem Tatendrang und einer Fernweh Paul Assmy nach China führen, wo er fast 33 Jahre seines Lebens verbringt. Die Auswirkungen des ersten Weltkrieges treffen ihn auch dort und er wird den gesellschaftlichen und politischen Wandel Chinas miterleben. Dr. Paul Assmy baut im Auftrag des Auswärtigen Amtes die deutsche Poliklinik in Chungking auf, gründet eine Familie und lernt in der Zeit seines China-Aufenthaltes zahlreiche Persönlichkeiten jener Zeit kennen, darunter Alfons Mumm von Schwarzenstein, Dr. Erich Paulun, Erich von Salzmann und auch Nyanatiloka, den ersten deutschen buddhistischen Mönch.

  

1861

 

wird nach zweijähriger Tätigkeit der Gerichts-Accessor Paul Eduard Ludwig Assmy vom Department des Kammergerichts in den Bezirk des Appellationsgerichts zu Frankfurt an der Oder versetzt. Der Sohn eines Maurermeisters aus Küstrin besuchte bis September 1852 das Berlinerische Gymnasium zum grauen Kloster und studierte anschließend Jura und Cameralia.

Am 23. November 1864 heiratet er seine Cousine Alma Elise Henriette Margarethe Assmy in Küstrin /Kreis Königsberg und vier Jahre später ist er als Rechtsanwalt am Kreisgericht in Meseritz tätig. Die Stadt Meseritz gehört zu der Provinz Posen in Preußen und liegt an der Mündung der Packlitz in die Obra.

Dort wird am 05.11.1869 nach den Töchtern Margarete ( geb. 11.10.1865) und Luise (geb. 14.05.1867) der erste Sohn Friedrich Julius Paul Assmy geboren. Getauft wird Paul Assmy am 26.12.1869.        

 

 

                                                                                             

     Mutter Elise Assmy

                                                           

                        

                                                                   Vater Paul Eduard Ludwig Assmy

 

Gemeinsam mit den zwei Schwestern und den noch folgenden Geschwistern Else (geb. 31. Mai 1873), Martha (geb. 18. Februar 1875) sowie Fritz (geb. 24.08.1871) und Johannes “Hans“ (geb. 16. Mai 1877), wächst Paul zunächst in Meseritz  auf. Die Familie zieht dann nach Potsdam, wo sein Vater weiterhin als Anwalt tätig ist und als scharfsinniger Jurist sowie vortrefflicher Verteidiger geschätzt wird. 

Später wird ihm der Titel “Königlicher Geheimer Justizrat“ verliehen.                             

  

 Das Elternhaus in Potsdam

 

Nach dem Tod der Mutter Elise Assmy am 26.12. 1896 in Potsdam heiratet Justizrat Paul Assmy die 31 Jahre jüngere Wilhelmine Hirschmann. Diese Ehe bleibt kinderlos. Am 18.09.1907 stirbt Justizrat Paul Assmy in Nympfenburg-München.

 

In der Zeit ab 1878 besucht sein Sohn Paul Assmy die Schule in Meseritz. Im Jahr 1883 wechselt er zum Viktoria-Gymnasium (heutiges Helmholtz-Gymnasium) zu Potsdam, das er am 26.03.1889 mit dem Abitur verlässt.

  

 Abiturienten des Viktoria-Gymnasiums, Ostern 1889

Walter Book, Erich Schmidt, Otto Horney , Wilhelm Stechert, Hermann Dernburg,

Hans Walter, Gustav Conrad, Gustav Mand, Fritz Wiedeburg,

Graf Günther von der Goltz ,

Eduard Schlichting, Paul Assmy 

 

An der Königlichen Christian-Albrechts-Universität zu Kiel immatrikuliert Paul Assmy am 01.05.1889 und studiert dort 3 Jahre Medizin.  Seine ärztliche Vorprüfung legt er am 02.03.1891 vor der Prüfungskommission in Kiel mit dem Gesamtergebnis  „gut“ ab.

  

 

 

Mit dem Studienbeginn in Kiel wird Paul Assmy in die Studentenverbindung “Slesvigia Kiel“ aufgenommen. Sein Kneipname ist Krips.  

 

Gruppenbild der Slesvigia Kiel  1889

(Paul Assmy vorne rechts mit Horn)

Der Wahlspruch der Studentenvereinigung lautet:

 

-IN VIRTUTE HONOS ! – In der Tugend liegt die Ehre !-

 

 

Weiteres Gruppenbild der Slesvigia Kiel

(Paul Assmy mit Horn vorne links)

 

 

 Aufnahme erhalten über die Alte Turnerschaft Slesvigia-Niedersachen Hamburg-Königsberg

 

 

  

Zum 01.04.1891 tritt Paul Assmy freiwillig dem Infanterie-Regiment „Herzog von Holstein“ Nr. 85, ein in Kiel stationiertes Regiment der preußischen Armee, bei und wird am 20.04.1891 vereidigt. Seine Dienstzeit beendet er dort zum  30.09.1891 mit dem Rang eines Gefreiten.

   

 

Manöver 1891 in Altona, damals noch der preußischen Provinz in Schleswig-Holstein  zugehörig ( Paul Assmy: Zweiter von rechts stehend)

 

Von Mai 1892 bis zum Wintersemester 1892/1893 setzt Paul Assmy sein Medizinstudium an der Königlichen Bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität in München fort. Währenddessen absolviert er auch ein Praktikum in der Medizinischen Klinik zu München und nimmt u.a. an den Vorlesungen in der Gynäkologischen und Chirurgischen Klinik teil.  Nach seiner Studienzeit in München zieht es ihn nach Berlin zum weiteren Studium an die Königliche Friedrich-Wilhelm-Universität. In der dortigen Klinik für Augenkranke und der Königlichen Universitäts-Frauenklinik in Berlin folgen weitere Praktika während des Sommer-Semesters im Jahre 1893. Zwei Jahre später wechselt Paul Assmy zum Sommersemester an die Universität Heidelberg. 


  Eintrag im Matrikelbuch  Sommer-Semester 1895

(Quelle: Matrikelbuch der Uni Heidelberg aus dem Jahr 1895)

 

 

 

Widmung auf der Rückseite: Emil Lehmann (Anmerkung: Emil Lehmann ist 20 Jahre und seit dem Sommer-Semester 1895 als Chemiestudent in Heidelberg,vermutlich gehörte er der Verbindung „Teutonia Berlin“ an) und R. Haefke ihrem lieben Paukarzt Dr. Paul Assmy zur

freundlichen Erinnerung, Heidelberg im Jahr 1895

 

 

Aufnahme vermutlich aus der Zeit seines Studiums (Paul Assmy: Erster von rechts in der hinteren Reihe)

 

Seine Approbation mit dem Ergebnis „Gut“ erhält Paul Assmy am 11.02.1897 in Heidelberg. Die Verleihung des Patents als Assistenzarzt II. Klasse folgt am 25.01.1898. Nur wenig später und zwar am 26.07.1898 promoviert Paul Assmy in Heidelberg.

Seine Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Hohen Medizinischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg schreibt er über den Einfluss der Durchtrennung motorischer Nerven auf die Narbenbildung bei extramedianen Bauchschnitten. Sie erscheint 1899 im Verlag der H. Laupp`schen Buchhandlung und wird später mehrfach von anderen Ärzten zitiert.

    

 

Eine am 05.01.1901 von Dr. Thiele ( Oberstabsarzt, Feldlazarett 6 in Peking) auf dem Straßenmarkt

zu Peking gekaufte Karte mit der Stadtansicht von Heidelberg 

  

Dem 2. Badischen Grenadier-Regiment „Kaiser Wilhelm I.“ Nr. 110, ein Infanterieregiment der Badischen Armee gehört Dr. Paul Assmy als freiwilliger Arzt in der Zeit vom 01.04.1897 bis 30.09.1897 an. Im Anschluss daran wechselt er in das 4. Badische Infanterie-Regiment Prinz Wilhelm Nr.112 in Mühlhausen und verbleibt dort bis zum 11.11.1897. Sein Rang wird mit dem eines Unterarztes der Reserve bezeichnet.

  

 

 Dr. Paul Assmy, vordere Reihe links

(Bild von Elisabeth Assmy)

 

 

 

 

 Aufnahme erhalten über die Alte Turnerschaft Slesvigia-Niedersachen Hamburg- Königsberg

 

Im Oktober 1898 geht er nach Berlin und ist dort als Demonstrator/Volontär-Assistent im Pathologischen Institut an der Friedrich- Wilhelms- Universität, der heutigen Humboldt Universität zu Berlin im Laboratorium und Sektionssaal tätig.

 

Anlässlich des Boxeraufstandes werden im Sommer 1900 deutsche Truppen nach China transportiert. Die Teilnehmer melden sich überwiegend freiwillig. Dr. Paul Assmy, dem Feldlazarett 6 des Ostasiatischen Expeditionskorps als Oberarzt angehörend, trifft in Rendsburg zur Formation ein und verlässt mit dem Dampfer “Hannover“ der Reederei Norddeutscher Lloyd  (NDL)  am 04.09.1900 den Hafen von Bremerhaven .   

 

 

 

Cartes de visite von Kameraden

 

   

 

    

 

       

An Bord des NDL-Dampfers Hannover befinden sich das 2. Bataillon des Infanterie-Regiments No. 6, die

9. Kompanie des Infanterie-Regiments No. 4, die Infanterie- Munitionskolone No. 2 und das Feldlazarett

No. 6 mit zusammen 42 Offizieren, 20 Deckoffizieren und Beamten, 1257 Mann(-schaften) und

58 Fahrzeugen.

Am 18.10.1900 passiert das Schiff die chinesische Küste bei den Taku-Forts (Befestigungsanlagen in der Nähe der Stadt Tientsin).

 

Auf dieser Reise nach China trifft Dr. Paul Assmy auf den Stabsarzt Dr. Georg Perthes, der ebenfalls dem Feldlazarett 6 angehört.

Dr. Perthes verlässt im Juli 1901 China und kehrt nach Deutschland zurück. 1903 veröffentlicht er seine Erinnerungen von der Hin- und Rückreise sowie dem Aufenthalt in China unter dem Titel „Briefe aus China“.

Durch die Schilderungen von Dr. Perthes lassen sich die von Dr. Paul Assmy während der Überfahrt gemachten Fotos zeitlich genau zuordnen.

 

27.12.1900

 

Vier Angehörige des Ostasiatischen Regiments, unter ihnen Dr. Perthes und Dr. Paul Assmy, sitzen im Kasino des Feldlazaretts 6 in Peking. Das gemütliche Beisammensein wird durch eine Meldung des Boy Sung-Tschau unterbrochen. Er berichtet ihnen von Männern, die angeblich im Auftrag der deutschen Behörden und unter Drohungen Geld bei der chinesischen Bevölkerung eintreiben.

Bewaffnet mit Mauserpistole und Säbel machen sich die vier Soldaten begleitet vom Boy und einem Dolmetscher auf um die Angelegenheit zu prüfen. Nur wenig später wird ihnen von den Bewohnern der Nachbarhäuser bestätigt, dass Geld eingesammelt wurde. Einige Bewohnern sollen nachträglich das Geld abliefern und so gelingt es den deutschen Soldaten das Haus der Geldeintreiber ausfindig zu machen. Nach dem Öffnen der Tür verhindert einer der Soldaten die Flucht eines Verdächtigen, indem er ihn am Zopf festhält. Ein weiterer wird vom Apotheker des Feldlazaretts mit der Pistole in Schach gehalten.

Dr. Paul Assmy stürmt einem flüchtenden Chinesen hinterher und scheint verloren gegangen zu sein, denn wenig später erwidert er die Rufe seiner Kollegen nicht. Während dessen vertreibt Dr. Perthes mit gezogenem Säbel zwei Chinesen, die zuvor den Gong rührten und damit das Alarmsignal der Chinesen auslösen. In allen Ecken regen sich Einheimische. Dann erscheint unerwartet Mrs. S. von der London Mission und fragt den mit gezogenen Säbel dastehenden und sehr wohl verblüfften Dr. Perthes nach dem Problem. Erst jetzt bemerken die deutschen Soldaten, dass sie in den Bereich der London Mission eingedrungen sind.

Die London Mission übernahm für die deutsche Präfektur die Eintreibung der Gebühren für die Straßenreinigung von den chinesischen Bewohnern, was diese wiederrum als Räuberei empfanden. Einem Irrtum unterlegen kehren die vier deutschen Soldaten nach vielfachen Entschuldigungen in ihr Quartier zurück.

 

(Quelle: "Briefe aus China" von Dr. Georg Perthes)

 

 

 

Postkarte von Dr. Paul Assmy an Dr. med Büttner in Wilster

(ersteigert im Dezember 2014 bei Ebay) 

 

Bis 09.06.1901 praktiziert Dr. Paul Assmy im Feldlazarett Nr. 6 in Peking und wechselt am 10.06.1901 zum

2. Ostasiatischen Infanterie-Regiment, III. Bataillon, ebenfalls in Peking.  

 

 

 

Anmerkung auf der Rückseite: 

 

Aufgenommen bei einem Dinner, dass ein Patient dem Photographen, Stabsarzt Rossner und mir gab.

Peking 1902

 

Zum  09.06.1902 verlässt das Regiment Peking und zieht nach Langfang. Am 01.01.1903 tritt Dr. Paul Assmy zum 2. Bataillon des 2. Ostasiatischen Regiments in Langfang über.

   

               Aus der Militärzeit,Dr. Paul Assmy. 3. von links

 

 Militärzeit in Peking, Dr. Paul Assmy in der hinteren Reihe vierter von links

 

 

Aus der Militärzeit im deutschen Lager in Langfang

  (in der Mitte Dr. Paul Assmy)

 

 

 

„Offizielle“ Aufnahme für den Bildband  Deutscher Posten Langfang von Oskar Freiherr von Seckendorff

             (Quelle: Deutscher Posten Langfang von Freiherr von Seckendorff)                      

 

Während seines Aufenthaltes in China sammelt Dr. Paul Assmy medizinische Erfahrungen in vielfältiger Weise und auch mit den technischen Hindernissen weiß er umzugehen. So berichtet Dr. Georg Perthes in seinem Artikel  "Über einige Schussverletzungen " in der Deutschen Zeitschrift für Chirurgie nicht nur von zahlreich behandelten Bauchschussverletzungen während seines Aufenthaltes in China. Er lässt auch nicht unerwähnt, dass sich die auf Vorschlag von Dr. Paul Assmy aus dem Feldlazarett 6 mitgenommenen Acytelen-Fahrradlaternen zur Beleuchtung bei nächtlichen Operationen bewährten und hierdurch die wichtigen Operationen und Behandlungen unter den sonst schlechten Bedingungen eines Feldlazaretts durchführbar wurden.

 

Dr. Paul Assmy leitet ein Chinesen-Hospital in Yangtsun und 3 Monate die Poliklinik in Peking. Näheres ist darüber aber nicht bekannt.

  

 Dr. Paul Assmy, vermutlich während des ersten Aufenthaltes in China

 

Die Militärzeit in China schließt er mit einer Reise von Peking nach Birma ab, die am 22.09.1903 beginnt und am 01.04.1904 mit der Rückreise nach Deutschland endet. Sein Reisebegleiter ist A. Genschow, Leutnant und Dolmetscher im Ostasiatischen Expeditionskorps, der später über die Reise das Buch „Unter Chinesen und Tibetanern“ verfasst. Die weiteren Begleiter sind zwei Chinesen, die als Dolmetscher und Koch mitgenommen werden sowie Hauptmann Dieter Dietz, der sich ab Hankau der Reisegruppe anschließt.

 

Seinen 34. Geburtstag feiert Dr. Paul Assmy auf dieser Reise in Li twschang hsien. Der chinesische Reisebegleiter Djo Hoan Djang, genannt Fritz, überrascht ihn mit einer Schokoladentorte, deren Herstellung durch die damals gegebenen Bedingungen wohl sehr aufwendig gewesen ist.

Trotz Regen und Nebel bricht die Reisegruppe an diesem Tag in Richtung Wan-hsien auf und der Sturz des Maultiers mit der Geldkiste in einen Graben, den das Tier schadlos übersteht, hindert die Gruppe nicht an der Weiterreise.  

(Quelle: A. Genschow, Unter Chinesen und Tibetanern)
   

 

Dr. Paul Assmy kurz vor seiner Reise von Peking nach Birma

 

Während dieser Reise behandelt Dr. Paul Assmy Chinesen und versorgt die an Malaria Erkrankten mit Medikamenten. Zu diesem Zeitpunkt verfestigen sich seine Pläne in China zukünftig arbeiten zu wollen.

  

Einige Aufnahmen der Reise von Peking nach Birma stellt Dr. Paul Assmy anderen für ihre Veröffentlichungen zur Verfügung. Hierfür bedankt sich Sir Alexander Hosie, u.a. General-Konsul in Tientsin/China, in seinem Buch „On the Trail of the Opium poppy“ aus dem Jahr 1914. (s.u. Bild 3 + 6))

 

 

 

Ein weiteres Bild von Dr. Paul Assmy, auch von seiner Reise von Peking nach Birma, findet sich im Buch „Travels in China „ von Emil S. Fischer wieder. Ebenfalls verwendet Dr. W. Limprecht im Jahr 1922 zwei Aufnahmen in seiner Veröffentlichung  „Botanische Reisen in den Hochgebirgen Chinas und Ost-Tibets“.

  

Am 16.07.1904 hält Dr. Paul Assmy vor der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte in Anwesenheit seines Vaters einen Vortrag über die Reise nach Birma, die auch durch das tibetanische Grenzland führte. Die  Eindrücke von dieser Reise hält er mit vielen Bildern fest. Unter dem Abschnitt  Reise von Peking nach Birma sind der Bericht als auch die Fotografien hinterlegt.

 

Nach seiner Ankunft in Deutschland gehört Dr. Paul Assmy, zwischenzeitlich zum Stabsarzt befördert, ab dem 11.04.1904 dem II. Bataillon des 91. Oldenburgischen Infanterie-Regiments an.

 

In seinem Buch "Im Osten Asiens" empfiehlt der deutsche Forschungsreisende Otto Ehlers ( 1892/1893 Aufenthalt in China) den Besuchern von Peking die Stadtmauer zu besteigen.

 

" Er wird sich dann in eine andere Welt versetzt wähnen; denn vor seinen Blicken dehnt sich ein riesengroßer Park, zwischen dessen Baumwipfeln hindurch goldgelbe , blau und grün im Sonnenlicht flimmernde Tempel- und Palastdächer hindurchleuchten. Peking von diesem Standpunkt aus gesehen ist eine der lieblichsten, anmutigsten Städte des Ostens."

 

Auch Dr. Paul Assmy bringt aus der Zeit seiner Aufenthalte in Peking und Langfang von 1900-1903 seine Eindrücke von Peking festgehalten auf zahlreichen Fotografien nach Deutschland. Seine eigenen Fotografien ergänzt Dr. Paul Assmy mit gekauften und geschenkten Aufnahmen.

Darunter befinden sich auch großformatige Fotos, die sich nicht nur im Format sondern auch durch eine bessere Qualität im Vergleich zu den übrigen Bildern unterscheiden. Diese Bilder stammen von Alfons Mumm von Schwarzenstein, der ab 1900 als deutscher Gesandter in Peking tätig ist.

 

  

 

Gruppenaufnahme der Gesandtschaft in Peking im Jahr 1902. Emil Krebs (Dolmetscher) in der hinteren Reihe mit Zylinder, links vor ihm sein Vorgänger im Amt des 1. Dolmetschers von der Goltz, daneben (v.li.n.re.) in der Mitte der Gesandte Alfons Mumm von Schwarzenstein, eine Stufe höher Gustav von Bohlen und Halbach (später der Essener Industrielle Gustav Krupp)

 

Alfons Mumm von Schwarzenstein empfiehlt Dr. Paul Assmy 1903 für die Besetzung der Stelle eines Arztes in der Provinz Szechuan. Die Planungen des Auswärtigen Amtes dort eine Poliklinik aufzubauen werden zwischen 1903 und 1905 immer konkreter. Dr. Paul Assmy ist aber nicht der einzige Arzt, der sich für diese Aufgabe interessiert.

 

Im Dezember 1903 berichtet Dr. Paul Assmy während seiner Reise von Peking nach Birma dem in Tsinanfu ansässigen deutschen Konsul Betz von der Arbeit des französischen Hospital in Chön-tu-fu (Chengtu) unter Leitung von Dr. Légendre.  Die Verbindung des französischen Hospitals mit einer Mission erweist sich dort als schwierig. Die französische Regierung plant auch aus diesem Grund ein unabhängiges Krankenhaus. Die Ansiedlung eines deutschen Konsulatsarztes in Chön-tu-fu (Chengtu) hält Dr. Paul Assmy wegen des dort vorherrschenden französischen Einflusses daher auch nicht als vorteilhaft.

 

Zu Beginn des Jahres 1904 übernimmt der Marinearzt Dr. Kamrath in Tsinanfu  die Leitung eines chinesischen Krankenhaus mit angeschlossener Poliklinik. Zur Verbreitung der deutschen Kultur soll nun auch die Ansiedlung eines deutschen Konsulatsarztes in der Provinz Szechuan zügig vorangetrieben werden.

 

Im März 1904 schreibt der Generalkonsul Alfons Mumm von Schwarzenstein zur Unterstützung der Bewerbung von Dr. Paul Assmy auf die Position eines Konsulatsarztes in Szechuan  folgendes:

 

"Dem Urteil des Dr. Betz über den genannten ( Anmerkung: gemeint ist Dr. Paul Assmy) kann ich mich nur anschließen. Dr. Assmy ist mir persönlich als ein frischer und tatkräftiger junger Mann bekannt, von dessen Tätigkeit in Yangtsau ich stets nur das Beste gehört habe."

 

Das Kriegsministerium empfiehlt Dr. Paul Assmy mit den Worten:

 

"Der Euer Exzellenz vom Kaiserlichen Gesandten in Peking und auch von anderer Stelle für den neuen Posten empfohlene frühere Oberarzt in der Ostasiatischen Besatzungsbrigade, jetzige Stabs- und Bataillonsarzt des 2. Bataillons Oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91, Dr. Assmy ist laut Qualifikationsbericht vom

01. Januar 1905 ein befähigter und eifriger Sanitätsoffizier von tadelloser moralischer und dienstlicher Führung. Seine fachwissenschaftlichen Kenntnisse überragen den gewöhnlichen Durchschnitt. Er zeigt besonderes Geschick beim Operieren und verfügt über vorzügliche anatomische und chirurgische Kenntnisse. Er kann daher für die Stelle als Arzt bei der Konsularbehörde in Szechuan empfohlen werden."

 

In einem Schreiben vom 17.06.1905 an das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten erwähnt Dr. Paul Assmy seine Verlobung an Ostern 1905 sowie die geplante Heirat im Frühjahr 1906 und fragt an, ob die Eheschließung einen Grund darstellt, ihn nicht als Konsulatsarzt einzusetzen. Bevor diese Frage nicht geklärt ist, will er die Zustimmung der Braut und der Schwiegereltern nicht einholen.

 

Schreiben von Dr. Paul Assmy an das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (Quelle : Archiv des Auswärtigen Amtes)

 

Oldenburg,17.06.1905


Dem königlichen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten


Betrifft


Anfrage über die Bedingungen zur Übernahme der Stellung eines Konsulatsarztes in der chinesischen Provinz  Sze-chuan.


erlaube ich mir unter  Bezugnahme auf das mir in Abschrift zugegangene Schreiben eines hohen Ministeriums an die Medizinal-Abteilung des Kriegsministeriums folgendes zu unterbreiten:


Ich bin persönlich bereit und glaube auch körperlich und meiner Vorbildung nach (mit einem unten erläuterten Vorbehalt) geeignet zu sein, die Stellung eines Konsulatsarztes auszufüllen. Ich habe mich jedoch Ostern 1905 verlobt und gedenke im Frühjahr 1906 zu heiraten. Ich sehe mich davor genötigt bei dem Königlichen Ministerium vor allen Dingen anzufragen, ob die Stellung auch einem verheirateten Sanitätsoffizier anvertraut werden wird. In Chöng-tu-fu, der Hauptstadt der Provinz, lebten im Spätherbst 1903, als ich die Stadt besuchte, eine ganze Anzahl Familien, unter ihnen auch ein französischer Marinearzt, Dr. Legendre mit seiner Gemahlin. Alle scheinen sich dort wohl zu befinden und werden von der Bevölkerung niemals belästigt. Ob meine Braut und meine Schwiegereltern Ihre Einwilligung geben werden, dieser Frage vermag ich erst näher zu treten, wenn ich weiß, dass ich als verheirateter Mann für diese Stelle in Betracht komme.

Im Falle, dass nicht entgegensteht, würde es mir darauf ankommen, zu erfahren binnen welcher Zeit, ich nach Szechuan abreisen müsste, um meine Heirat vorbereiten zu können. Ferner, ob in die Verpflichtungszeit  von 5 Jahren, die Zeit der Anreise und der späteren Rückreise mit inbegriffen sein soll.

Dann, ob ich vor der Abreise noch einen Kursus in Süd-Chinesisch am orientalischen Seminar besuchen kann. Ich habe mir während meines Aufenthaltes von 3 ½ Jahren in China zwar für den täglichen Verkehr genügende Kenntnis des  Nord-Chinesischen erworben. Jedoch genügen diese Kenntnisse nur für den mit dem Peking-Dialekt bekannten gebildeten Chinesen, nicht für das gewöhnliche Volk, welches wenigstens im Anfang  in der Hauptsache die Patienten liefern würde.

Auch wäre es für mich auch von Wichtigkeit meine Kenntnisse in Geburtshilfe und operativer Augenheilkunde etwas zu vermehren. Besonders ist letztere  Disziplin für China von außerordentlicher Wichtigkeit (?operationen).

Da ich längere Zeit an der Klinik Seiner Excellenz des Geheimrat von Bergmann chirurgisch tätig gewesen bin, würde ich mir die nötigen spezialistischen  Kenntnisse in nicht allzu langer Zeit anzueignen  im Stande sein.

Des weiteren wäre mir eine Angabe erwünscht darüber, ob die Kosten für die Beschaffung von Instrumente, Arznei- und Verbandsmitteln über die Ausrüstungsvergütung hinaus bewilligt werden würden.

 

Endlich erbitte ich gern Kenntnis von dem Ort, in welchem das Konsulat errichtet werden soll,  um gegebenen Falles mit mir bekannten Persönlichkeiten  deshalb Beziehungen anknüpfen zu können.

 

Einer Antwort des königlichen Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten darf ich ganz gehorsamst und ergebenst entgegen sehen.

 

Dr. Assmy

Stabs- und Bataillonsarzt des II. Bataillons Oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91

  

Das Auswärtigen Amt berät, ob die in China vorherrschenden Lebensverhältnisse für eine Ehefrau tragbar sind.  Alfons Mumm von Schwarzenstein hält einen unverheirateten Arzt für wünschenswert, da die Weltabgeschiedenheit des Ortes, der Unterkunftsmangel und das Klima Schwierigkeiten bereiten könnten. Dennoch spricht er sich weiterhin für Dr. Paul Assmy aus, der die Provinz Szechuan persönlich kennt und somit weiß, was ihm und seiner Frau bevorsteht. Seine persönliche Eignung steht im Vordergrund und Mumm zieht Dr. Paul Assmy einem unverheirateten, aber möglicherweise weniger gut qualifizierten Arzt vor.

 

Um Bedenken der künftigen Schwiegereltern und der Braut auszuräumen, bittet Paul Assmy im Juli 1905 um konkrete Angaben über den geplanten Standort, die Kosten eines Familienhaushaltes, das Klima, die Zahl der Europäer sowie der Amerikaner und die Art der Anreise.

 

Das Auswärtige Amt entscheidet sich für eine Klinikeröffnung in Chungking, da der französische Einfluss in Chengtu als zu groß empfunden wird und die weiteren Voraussetzungen in Chungking günstig erscheinen.

Am 07.10.1905 erklärt Paul Assmy seine Bereitschaft zur sofortigen Übernahme des Postens eines Konsulatsarztes und informiert das Ministerium aber auch über die Auflösung seiner Verlobung.

Daraufhin erhält Dr. Paul Assmy die Zuteilung an das Kaiserliche Konsulat für Szechuan in Chungking. Die Dauer seines Aufenthaltes wird auf zunächst 3 Jahre festgesetzt. Zugleich behält sich das Auswärtige Amt den Einsatz auch an anderen Orten in China vor.

Bevor Dr. Paul Assmy seine Reise antritt, absolviert er noch einen Kursus in Geburtshilfe und operativer Augenheilkunde. Sein Gehalt wird 7.000 M jährlich betragen.

Vom militärischen Dienst wird er für 3 ½ Jahre beurlaubt und reist am 17.01.1906 von Genua aus mit dem Dampfer der Norddeutschen Lloyd  „Prinzess Alice“ nach China. 

  

Seine Reise von Shanghai nach Chungking, die ihn über den Yangtse führt, dokumentiert er mit zahlreichen Fotos und einem Bericht über den Reiseabschnitt von Ichang nach Chungking. Den Bericht beendet er mit den Schilderungen seiner Bemühungen bei der Suche eines Grundstücks für die Klinik und den weiteren Schwierigkeiten beim Aufbau der Klinik.

 

Nach seiner Ankunft in Chungking zieht Dr. Paul Assmy nicht wie vorgesehen in das Konsulatsgebäude sondern in Räumlichkeiten der Poliklinik um täglich 2 Stunden für den Hin- und Rückweg zu sparen. Ein weiterer Grund ist die teure Einrichtung in der Klinik nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Es sind auch die unvorhergesehene Ausgaben für einen eigenen Haushalt, die ihn veranlassen um eine Gehaltserhöhung zu bitten.

Er beschäftigt einen Koch, Türhüter, Kulis und Wasserträger. Für die Kontaktpflege zu chinesischen Beamten und den in Chungking lebenden Europäern benötigt er entsprechend ausgestattete Räume. Gäste, die von der anderen Flussseite kommen, bleiben nach einen Besuch meist über Nacht, da die Stadttore abends um

7.00 Uhr geschlossen und die Schlüssel im Amtshaus des Tautai gebracht werden.  Zudem ist das Überqueren des Flusses bei Nacht ein meist gefährlichen Unterfangen.

Dr. Paul Assmy beschafft sich eine offizielle blaue Sänfte und sorgt für die Ausstattung der Träger mit Sommer- und Winterkleidung einschließlich Schuhwerk. Die Kosten für eine Tour von der Klinik bis zum Konsulat belaufen sich auf 528 Kaesch bzw. 1 M 25. Es besteht keine Möglichkeit eines direkten Meinungsaustausches mit Kollegen, einer Fortbildung im Hospital oder eines  Fortbildungsseminares, so dass er Fachzeitschriften und medizinischen Werken nutzen muss, die teuer erworben werden müssen. Die Lebenshaltungskosten sind in den letzten Jahren angestiegen. Für ein Huhn sind früher 80 Kaesch

(ca. 9 Pfennig) gezahlt worden, jetzt kostet es 130 Kaesch. Von der Küste eingeführte Lebensmittel wie Butter, Milch, Mehl, Zucker, Wurst und Verbrauchsgüter wie Petroleum, Zündhölzer, Toilettengegenstände etc. sind durch die erheblichen Kosten der Beförderung mit Frachtdschunken über den Jangtse  hochpreisig. Auch die häufigen Verluste durch Wasserschäden treiben den Preis in die Höhe. Viele der Dschunken überstehen die Stromschnellen nicht, andere wiederum erleiden Schäden, durch die Wasser in den Schiffsraum eindringt. Mr. Archibald Little, seinerzeit Inhaber der Chungking Trading Co., geht von einem

zehnprozentigen Verlust der Waren auf der Strecke von Ichang nach Chungking aus.  Waren, die in Shanghai für eine Mark bezogen werden, kosten in Chungking 3 M 25. Der Bezug von Waren aus der Heimat ist keine Alternative, da die Lieferungen häufig verspätet ankommen oder gar nicht eintreffen und für den Transport kostspielige Blechkisten verwendet werden müssen.

  

Jedes Jahr erstattet Dr. Paul Assmy dem Auswärtigen Amt einen ausführlichen Bericht über die Arbeit der Poliklinik. Neben der Anzahl der behandelten Patienten wird auch über die Art der Behandlungen und deren Erfolge berichtet. Neben seiner Tätigkeit als Arzt sind Kostenabrechnungen zu erstellen und Arznei- und Hilfsmittelanforderungen vorzunehmen. Erschwerend sind die häufigen Beschädigungen und die verspätete Ankunft der aus Deutschland übersandten Arzneimittelkisten. Bereits früh beginnt ein reger Schriftwechsel mit dem Auswärtigen Amt über die zu geringen Mittel, die ihm für den Betrieb der Klinik zur Verfügung stehen.

 

Im Jahr 1906 trifft Dr. Paul Assmy den damaligen Mitarbeiter des Konsulats in Chungking und späteren Konsul, Fritz Weiss (später Wyss). Dieser erinnert sich in seinen Notizen an einen mit Arbeitsenergie geladenen Arzt, der auf alle und alles, aber vor allem auf das Auswärtige Amt schimpft.

Doch Konsul Weiss findet auch anerkennende Worte für Dr. Paul Assmy:

  

"Ungeachtet seiner wenig verbindlichen Formen muss ich ihm doch nachrühmen, dass es ihm im Laufe der langen Jahre, die er in Chungking bis zu seinem Tode, verbrachte, unzweifelhaft gelungen ist, den Chinesen eine hohe Meinung von der Leistung der deutschen medizinischen Wissenschaft beizubringen, auch wenn sie, wie hier der Fall, nur mit primitiven Mitteln, arbeiten konnte. In allen desperaten Fällen erging der Ruf nach

„ O-I.Sheng“. Berühmt wurde die Geschichte von der Kindesliebe und der herausgeschnittenen Frauenleber in Bouillon. Die liebevolle Tochter, die sich auf den Rat eines taoistischen Medizinmannes mit ihrer Schere ein Leberstück abgetrennt hatte, verblutete weder, noch vermochte sie mit der Leberboullion ihre sterbenskranke Mutter am Leben erhalten. Wie sie ihre Leber hat finden und erreichen können, blieb immer ein Rätsel. In der Poliklinik wurde das verbliebene Leberstückchen in Spiritus aufbewahrt und Besuchern als großes Curiosum gerne vorgezeigt. Die chinesischen Zeitungen waren tagelang voll davon und priesen

O-I-Sheng in hohem Tönen und die liebevolle Tochter dergleichen."

 

Konsul Fritz Weiss bestätigt die schwache finanzielle Ausstattung der Deutschen Poliklinik durch das Deutsche Reich. Nur durch das Organisations- und Improvisationstalent des Dr. Assmy gelingt der Betrieb der Klinik.

 

Die Behandlung der Patientin, die sich ein Stück der Leber herausschnitt, erwähnt Dr. Paul Assmy auch in seinem ersten Klinikbericht von 1906/1907. In der Deutschen Poliklinik erscheint die Patientin erst 12 Stunden nach dem selbst durchgeführten Eingriff und einer Erstbehandlung durch einen chinesischen Arzt. Die Mutter der Patientin behandelt er mit Chinin gegen ihre Malaria.

Auch Ernest Henry Wilson,V.M.H berichtet über dieses Ereignis in seinem Buch " A naturalist in Western China with vasculum, camera, and gun 1914.

  

Seit dem 01.07.1906 führt Dr. Paul Assmy nebenbei eine Privatpraxis, in der er im ersten Jahr Mitglieder der Mission Étrangères, Chinesen, Japaner und Angehörige deutscher Firmen behandelt. Ertragreich ist die Praxis jedoch zu Beginn nicht.

Als Ausgleich zur anstrengenden Tätigkeit in der Klinik spielt er Tennis und kann dafür die Tennisplätze des englischen Konsuls und der Firma Mackenzie & Co. nutzen.

   

In den Jahren nach der Klinikeröffnung entfacht immer wieder eine Diskussion um die Schließung der Poliklinik in Chungking und die Überlegungen, diese in Chengtu neu zu eröffnen, da dort der französische Einfluss im Laufe der Jahre abnimmt.

In einem mehrseitigen Bericht im Juni 1908 weist Dr. Paul Assmy auf die erheblichen baulichen und die dadurch bedingten hygienischen Mängel der Klinik hin. Die schlechte Bausubstanz ist für die Patienten und das Personal ein gesundheitsgefährdender Zustand. Das Gebäude ist teilweise in einen Felsen hineingebaut und bei Regen sickert Feuchtigkeit in die Krankenräume. Das Fundament wird unterspült und senkt sich ab. Die Folge ist ein Einsturz der Mauer in der privaten Küche von Dr. Paul Assmy. Umstände, die Dr. Paul Assmy zu folgenden deutlichen Worten veranlassen:

 

„Ich bin mit einem reichlich bemessenen Enthusiasmus an die Aufgabe herangetreten und habe, als sich mannigfache Unzuträglichkeiten auch in meiner Unterbringung herausstellten, meine eigenen Bedenken und die anderer Leute stets damit beruhigt, dass ich auf die nur noch verhältnismäßig kurze Dauer meines Aufenthaltes hinwies und die Hoffnung aussprach, dass es meinem Nachfolger gelingen möge, auch für die Besserung der Zustände die Mittel zu erlangen. Da ich jetzt jedoch für voraussichtlich noch weitere 3 Jahre hier arbeiten soll, muss ich etwas mehr an mich und die Erhaltung meiner Gesundheit denken, zumal die Schädigung meiner Gesundheit und die Herabsetzung ein Sinken meiner Arbeitsleistung und damit einen Ausfall im ganzen Erfolg des Unternehmens bedeutet.“

 

Im Mai 1909 bittet Dr. Paul Assmy den Reichskanzler Fürst von Bülow um einen viermonatigen Urlaub, den er im Herbst 1909 antreten möchte. Seit seiner Ankunft im Jahr 1906 hat er ununterbrochen gearbeitet und seine Gesundheit ist angeschlagen. Am 16.09.1909 beginnt sein Urlaub, den er aber schon nach kurzer Zeit unterbricht. Im März 1910 kapituliert die Gesundheit von Dr. Paul Assmy.  Die klimatischen sowie wohnlichen Bedingungen und die anspruchsvolle Tätigkeit in der Klinik haben ihm schwer zugesetzt. Dr. Falkenbach, Marine Stabsarzt und Schiffsarzt auf dem Kanonenboot S.M.S. Vaterland nimmt eine Untersuchung von

Dr. Paul Assmy vor und diagnostiziert eine allgemeine Nervenschwäche, eine akute Herzerweiterung und Nierenentzündung. Vorangegangen war ein Influenza- Anfall mit nachfolgender schwerer Lungenentzündung und Herzschwäche und es wurde sogar befürchtet, dass Dr. Paul Assmy die Erkrankung nicht überlebt.

Erneut unterbricht er seine Tätigkeit in der Klinik. Auf dem Weg zur Erholung in Japan erreicht er im Juni 1910  Shanghai und der Generalkonsul Paul von Buri berichtet dem Reichskanzler von einem angegriffenen, entschieden erholungsbedürftigen Patienten und spricht sich für einen Erholungsurlaub von vollen 3 Monaten an der Küste Japans aus.

Mit dem Schreiben vom 15.06.1910 macht Konsul Paul von Buri auch nochmals deutlich, wie wichtig die Arbeit der Poliklinik in Chungking ist und dass durch den Einsatz von Dr. Paul Assmy ein schnellerer und besserer Erfolg eingetreten ist, als zu Beginn zu erwarten war.

Und obwohl die Klinik gerade die Ausstattung betreffend weit hinter der Konkurrenz steht, wenden sich Europäer und Chinesen in schweren Fällen an Dr. Paul Assmy. Eine Aufgabe der Klinik, jetzt wo die  Früchte reifen, hält Konsul von Buri für nicht gerechtfertigt. Durch die erheblichen Kosten für eine neue Klinik in Chengtu fällt die Entscheidung für einen Umzug der Poliklinik innerhalb von Chungking.

 

Im April 1911 nimmt die Klinik  im Westen der Stadt Chungking an einem Südabhang eines kleinen Hügelzuges ihren Betrieb auf.

 

Nach seiner Rückkehr aus Japan im Jahr 1910 zieht sich Dr. Paul Assmy eine Amöbendysenterie (Anmerkung: parasitäre Infektionskrankheit) zu, die auch im Oktober 1911 nicht abschließend ausgeheilt ist. Dr. Paul Assmy kann seine Tätigkeit in der Klinik nicht mehr ausüben und befürchtet, dass die krankheitsbedingten Unterbrechungen des Betriebs der Klinik schaden. Er bittet um die Ablösung als Leiter der Poliklinik.

 

Daraufhin übernimmt am 28.03.1912 Marine-Stabsarzt Dr. Kryitz die Leitung der Poliklinik und Dr. Paul Assmy kann am  29.03.1912 seine Heimreise nach Deutschland antreten. Doch Dr. Kryitz stirbt im Oktober 1912 an einer Herzschwäche in Folge eines Rachengeschwürs und so übernimmt in der Zeit von Oktober 1912 bis März 1913 der Marine- Stabsarzt Dr. Würth  vom deutschen Kanonenboot SMS Otter tageweise die Klinikleitung.  Im Anschluss daran erklärt sich der französische Stabsarzt Dr. Charles –Henri Trividic, der bereits

Dr. Kryitz während seiner Erkrankung zur Seite stand, bereit an 3 Nachmittagen die Behandlung der Kranken in der Klinik zu übernehmen und hält den Betrieb der Klinik bis zur Rückkehr von Dr. Paul Assmy aufrecht. Am 20.07.1913 trifft Dr. Paul Assmy in Chungking ein. Während seines Aufenthaltes in Deutschland hat er sich im September 1912 einer Operation unterzogen und sich anschließend in einem Sanatorium erholt. Angeregt durch einen Studienaufenthalt bei Prof. Dr. Perthes in Tübingen plant er mit einer neuen Einrichtung die Poliklinik in Chungking konkurrenzfähiger gegenüber den anderen Hospitälern zu machen. Die dafür notwendigen  Instrumente beschafft er sich teils auf eigene Kosten.

 

 

 

Aufnahme, die vermutlich während seines Aufenthaltes in Deutschland 1912/1913 entstanden ist.

(Paul Assmy ist der 3. von rechts in der hinteren Reihe)

 

Anfang April 1913 trifft der Sanitäts-Feldwebel Paul Schuchardt in Chungking ein.  Er übernimmt den kaufmännischen Bereich in der Klinik, um das deutsche Konsulat zu entlasten. Nach Ende des

1. Weltkrieges muss er im März 1919 wie viele weitere Deutsche nach Deutschland zurückreisen.  Seine Rückreise tritt er gemeinsam mit Wilhelm Wilshusen, einem Kaufmann aus Chungking an, der in einem Tagebuch die Umstände und den Verlauf der Reise von Chungking nach Deutschland ausführlich schildert. Dieser Reisebericht und die Erinnerungen über seine Reisen in China sind in dem Buch „ Abreise von China“ von den Autoren Axel Roschen und Dr. Thomas Theye veröffentlicht. Wilhelm Wilshusen erfährt auf der Zwischenstation in Shanghai von der Ausweisung des Dr. Paul Assmy aus Chungking. Dr. Paul Assmy reist nach Hankau und entgeht dort einer Deportation nach Deutschland. Seine Verbindung zu Freunden in Deutschland ist in dieser Zeit unterbrochen und Prof. Dr. Perthes geht eine Zeitlang davon aus, dass  Dr. Paul Assmy über Tibet, Persien und Russland versucht habe zu fliehen und ist dabei ums Leben gekommen.

 

Wann Paul Schuchardt wieder nach China zurückkehrt, ist nicht bekannt. Erich von Salzmann erwähnt jedoch in seinem Buch „ China siegt „ einen Kaufmann namens Schuchardt, den er in Chungking im

Januar 1929 trifft und der dort ein Importgeschäft betreibt und Paul Schuchardt bezeugt am 26.03.1935 beim deutschen Konsulat in Chungking den Tod von Dr. Paul Assmy. Im Jahr 1937 verstirbt Paul Schuchardt.

 

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges zerbrechen offiziell die Verbindungen zu den in Chungking ansässigen Konsulaten von Frankreich und England.

1915 wird Dr. Assmy trotz der Widerstände der Engländer und Franzosen, gegen die vom Deutschen Reich finanzierte Poliklinik der Chie ho Orden 4. Klasse und seinem Mitarbeiter Sanitäts-Vizefeldwebels Schuchardt der Chie ho Orden der 6. Klasse verliehen. Mitte Mai 1917, somit 2 Monate nach Abbruch der Beziehungen zwischen China und Deutschland, erfolgt die Verleihung des Chie ho Ordens der 3. Klasse und

der 5. Klasse an  Sanitäts-Vizefeldwebels Schuchardt.

Zudem erhalten beide im Laufe der Jahre 2 Rote-Kreuz-Medaillen und im September 1918 vom Oberkommandierenden der südchinesischen Truppen, General Tang yü yao einen Orden der 2.Klasse.

 

Zu welchem Zeitpunkt Dr. Paul Assmy seine spätere Ehefrau Liu Shun-Qing kennenlernt, ist nicht überliefert. Die Beziehung der beiden wird Vorlage für den in George F. Basil`s Buch “Test Tubes and Dragons Scales“erwähnten Dr. Strobel.

 

Elisabeth, die Tochter von Dr. Paul Assmy, erinnert sich an eine gebildete, tatkräftige und gastfreundliche Frau. Sie vermutet, ihre Mutter stammt aus einer kantonesischen Familie und im Gegensatz zu den Chinesinnen ihrer Generation hat sie keine Lilienfüße. Geboren ist Liu Shun-Qing in Hankau und ihr Geburtsdatum wird in der Heiratsurkunde mit dem 18.07.1890, in der Sterbeurkunde mit 02.06.1889 angegeben. Sie spricht Englisch und leitet den großen Haushalt mit vielen Dienstboten. Liu Shun-Qing sorgt für die Bewirtung der zahlreichen Freunde der Familie, die im Sommer an den Wochenenden als Gäste die Kühle der Berge genießen. Nebenbei stickt sie und schneidert auch die Kleidung der Dienstboten. 

  

 

Liu Shun-Qing

1956

 

Elisabeth ist als Ärztin in Indien tätig und sie trifft anlässlich eines Besuchs im Deutschen Generalkonsulat in Bombay einen Konsularbeamten, der zu Lebzeiten von Dr. Paul Assmy  Gast in dessen Hause in Chungking war.  Bei diesem Konsularbeamten weilt gerade ein alter Freund des Dr. Paul Assmy und er lädt Elisabeth zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Eben dieser alte Freund ihres Vaters sagt zu Elisabeth: „ Wissen Sie, nirgendwo habe ich so guten Schinken und eine so gute Leberwurst gegessen wie bei ihrer Frau Mutter."

Elisabeth selbst hört als Kind von den Damen, die mit ihrer Mutter Mahjong spielen, dass kein Rezept vor

Liu Shun-Qing geheimgehaltem werden kann, da sie alle Zutaten herausschmeckt.

Liu Shun-Qing ist in der Gewürz- und Heilkräuter-Kunde bewandert, stellt Essenzen selbst her und nimmt ihre Töchter zum Sammeln von Kräutern und Pilzen mit.

 

Nur einmal, im Jahr 1939, scheint sich die Möglichkeit zu ergeben, mehr von der Familie Liu Shun-Qings zu erfahren. Eine Freundin Elisabeths, Lanny Yang, trifft an der Uni Chungking zwei Vettern von Elisabeth. Elisabeth bittet ihre Freundin um die Namen und Anschrift, doch durch die Wirren des 2. Weltkriegs bricht der Briefkontakt ab und auch die Versuche einer Kontaktaufnahme zu Lanny nach dem Krieg bleiben ohne Erfolg.

 

Am 1915 wird in Hankau /Hankow der erste Sohn Fritz von Dr. Paul Assmy und Liu Shun-Qing geboren.

Später folgen 1921 Elisabeth, 1922 Gertrud und Hans im Jahr 1926. 

  

 

Tochter Gertrud

 

 

Elisabeth und Getrud mit „Tante“ Seidenberg von der Deutschen Missionsstation in Chongqing. Sie unterrichtet Fritz, die beiden Mädchen und auch später Hans in Deutsch, um die Kinder für die Schule vorzubereiten.

 

Fritz besucht bis zu seiner Abreise nach Deutschland im Sommer 1924 die deutsche Schule in Hankau. Elisabeth, Gertrud und Hans verbringen ihre Schulzeit in Tsingtau.

 

 

 

Sohn Hans

 

 

 

 

Sohn Fritz 

 

Die Ehe zwischen Liu Shun-Qing und Dr. Paul Assmy wird nach deutschem Recht am 04.02.1925 im Deutschen Konsulat Chungking durch den Konsul Dr. Nord geschlossen. Die Trauung erfolgt in deutscher und chinesischer Sprache. Vermutlich ist eine Eheschließung nach chinesischem Brauch bereits vorher vollzogen worden.

 

 

 

Name Liu Shung-King  in chinesischer Schrift 

 

Dr. Paul Assmy erwirbt 1917 Grundstücke von chinesischen Familien auf dem Hügel Wen Feng Tao auf der Seite gegenüber der Stadt Chungking. Das Grundstück erstreckt sich vom Tal bis zur zum oberen Teil des Hügels, wo eine alte Pagode steht. Der Hügel gehört zur 2. Hügelkette /second range), die höher als die davorliegende Hügelkette ist.  Im Sommer ist es dort kühler als in der Stadt und immer Winter fällt manchmal Schnee, der von den Chinesen als „Der gefrorene Hauch des Drachens“ bezeichnet wird. 

 

 

  

Terrasse des ersten Bungalows

 

 

 

Blick über Hügel und Haus

 

Ob der erste Bungalow bereits beim Kauf vorhanden war oder von Dr. Assmy erbaut wurde, ist nicht bekannt.  Dieser Bungalow hat eine breite und überdachte Veranda. Diese Veranda schützt vor der Sonne und hält die Räumlichkeiten kühl. Der hintere Teil der Wohnräume grenzt an dem Berghang. Elisabeth erinnert sich an eine Raupenplage. Die Raupen sind so zahlreich, dass die Säulen der Überdachung schwarz von den Raupen sind. Um Herr dieser Plage zu werden, stellen die Bediensteten Gefäße mit Petroleum auf und fegen die Raupen von den Wänden.

  

In der Nähe des Hauses halten sich auch Wölfe auf, deren Heulen Elisabeth als schaurig-schön empfindet.

  

 

Leicht verdeckt der alte Bungalow und oben auf dem Hügel befindet sich die Pagode

  


Liu Shun-king mit Gertrud auf dem Schoß und Dr. Paul Assmy mit Gästen auf der Terrasse des alten Bungalows .

 

 

Elisabeth ist auf dem Arm einer Besucherin der Familie.

 

 

Später wird der neue Bungalow am Berghang unterhalb der Pagode gebaut. Die zuvor erfolgte Teilsprengung einer felsigen Anhöhe zum schafft eine  Plattform, worauf der Bungalow und ein Tennisplatz ihren Platz finden.

   

 

Der neue Bungalow 

 

 

Auf dem Tennisplatz : Hans neben seiner Mutter , Frau Lißmann und Dr. Paul Assmy mit weiteren Gästen

 

Jahre später führt eine heftige und langanhaltende Regenperiode zu einem Erdrutsch und zerstört den Tennisplatz. 

  

 

Dieses Bild erhalten Elisabeth und Getrud von ihrem Vater während des Aufenthaltes im Internat in Tsingtau.

 

Der Tennisplatz wird nicht mehr aufgebaut, sondern es entsteht eine Gartenanlage geteilt durch einen Mittelweg, der zum Haus führt. Der Hang wird mit Bäumen und Büschen befestigt.

  

 

Ein Pfad führt vom Haus zum Tal hinab. Auf halber Höhe liegen künstlich angelegte Terrassen, teilweise bepflanzt mit Laubbäumen.  

 

  

Dr. Paul Assmy mit Gertrud , Hans, Liu Shun-Qing und Elisabeth

 

 

Gertrud, Else Theen und Elisabeth auf dem freien Platz vor dem Haus

 

  

  

Der neue Bungalow

 

 

 

Liu Shun-Qing und Dr. Paul Assmy mit Sohn Hans sowie Gästen auf der Treppe zum Haus

 

 

 

Beschriftung der Aufnahme auf der Rückseite

 

 

 

 

Das Haus und die Umgebung im Jahr 1991

(aufgenommen während einer Reise von Elisabeth)

 

 

 

 

 

Bungalow von der Pagode aus gesehen

 

 

 

Bungalow, vom Dorf aus kommend gesehen

 

 

 

 

Elisabeth mit einem älteren Herrn, der sie aus Kindheitstagen noch kennt

  

  

 

 

1917 erhält Dr. Paul Assmy Besuch von Emil S. Fischer, der sich auf einer Reise  nach Ta Tsien Lu [Kanding], der Grenzstadt zu Tibet befindet.

 

Emil S. Fischer beschreibt Chungking als eine aufregende Stadt mit schönen Geschäften, die gerade einen neuen, modernen Stadtteil nach dem Muster von Shanghai errichtet.

Er erwähnt auch den beschwerlichen Ritt auf Szechwan Ponies, mit denen im Galopp der Weg über ein paar tausend Steinstufen zum Bungalow von Dr. Paul Assmy bewältigt wird. Der Bungalow befindet sich auf der rechten Flussseite des Yangtse in der Nähe der Bayan-Bäume (Feigenbäume) entlang der Transportstraße, die nach Kweiyang (Hauptstadt von Kweichow ) führt. Bevor Emil S. Fischer seine Weiterreise antritt, gibt er in der Stadtwohnung von Dr. Paul Assmy eine Abschiedsfeier. Als weitere Gäste sind der Ingenieur Glaubitz, Paul Schuchardt und der Kaufmann Wilfried Wilshusen anwesend. Dr. Paul Assmy spielt für alle Musik und er gibt Emil S. Fischer für die Weiterreise einen Tipp zum Umgang mit den Szechuwan Ponies beim beschwerlichen Galoppieren über die Steinstufen: Die Zügel locker lassen und zum Anhalten in die untere Mähne greifen.

 

In der Zeit von 1906 bis ca. 1920 verfasst Dr. Paul Assmy nicht nur die Berichte über die Arbeit der Poliklinik in Chungking. Es werden darüber hinaus viele medizinische Stellungnahmen publiziert.

Ab 1920 finden sich keine Veröffentlichungen mehr. Dr. Paul Assmy ist nicht mehr für das Auswärtige Amt tätig und 1919 aus dem militärischen Dienst ausgeschieden. Im Jahr 1920 darf Dr. Paul Assmy wieder nach Chungking zurückkehren und beginnt dort seine Tätigkeit als Leiter der Klinik des Chinesischen Roten Kreuzes. Später, so ist es einem Brief in den Akten des Auswärtigen Amtes zu entnehmen, trennt sich

Dr. Paul Assmy vom Chinesischen Roten Kreuz und betreibt eine Privatpraxis.

 

Im November 1922 knüpft Dr. Paul Assmy wieder brieflichen Kontakt nach Deutschland.  Seinem Freund Theodor Krause, Apotheker in Eidelstedt und Mitglied der Slesvigia Kiel, berichtet er über Dr. Karl Böwing, den er zur Unterstützung in der Klinik aus Deutschland erwartet. Die Anstrengungen der letzten Jahre haben Spuren hinterlassen und so schreibt er in seinem Brief: 

 

„Ich bin alt und klapperich geworden. Was ich früher zu wenig gearbeitet habe, das habe ich hier mit Zins und Zinses Zins wieder eingebracht.“

 

Am 2. Januar 1929 trifft Erich von Salzmann, ein Berufsjournalist, in Chungking ein. Er und Dr. Paul Assmy kennen sich aus der Zeit der Chinaexpedition (1901-1903) . Erich von Salzmann erwähnt in seinem Buch „China siegt“, das eine starke Vertrauensstellung unter den Chinesen gegenüber Dr. Paul Assmy besteht. Er berichtet aber auch von der Enttäuschung des deutschen Arztes über die im Jahr 1920 eingestellte deutsche Unterstützung der Poliklinik, während andere Nationen weiterhin ihre Missionen sowie Hospitäler betreiben und die dort tätigen Ärzte finanziell gut entlohnen. Erich von Salzmann schreibt:

 

„In ihm verkörpert sich die Tragik des Schicksals derer, die Leben und Eigentum, Willen und Stellung, Überzeugung und Familie für die große Sache eingesetzt haben und jetzt nichts als Verluste verzeichnen müssen.“ 

 

Im Dezember 1933 befindet sich Dr. PaulAssmy im Hospital in Peping und unterzieht sich dort einer Gallenblasenoperation.

Einen Beitritt zur geplanten Chinese Medical Association lehnte er aus Altersgründen und schweren gesundheitlichen Einschränkungen im Sommer 1934 ab.

  

 

Am 09.03.1935 stirbt Dr. Paul Assmy in Chungking  an den Folgen einer langjährigen Erkrankung. Der Nachlass beinhaltet 5 Grundstücke:

1.    Grundstück Tsien tze men ( Shun shen gai)

2.   Grundstück am Fuße der Pagode auf dem Südufer

3.   Mittel- und Seitenflügel eines im Tal auf dem Südufer gelegenen Hauses

4.   Wohnung in dem Seitenflügel eines im Tal auf dem Südufer gelegenen Hauses

5.   Auf der Südseite des Yangtse gelegener „Neuer Bungalow“

 

Der neue Bungalow ist seit Juni 1940 vorübergehend an die Deutsche Botschaft vermietet. Die Mieteinnahmen aus dem Grundbesitz dienen der finanziellen Sicherung der Familie. Die Grundstücke sind später enteignet worden.

 

Seine Frau Liu Shun-Qing stirbt am 09.02.1939 in Chungking an der Erschöpfung durch eine schwere Zuckerharnruhr und einer schweren doppelseitigen, offenen Lungentuberkulose.

 

Wie sehr Dr. Assmy und seine Arbeit geschätzt wurden, bezeugen die in der Deutschen Shanghai Zeitung vom 15.03.1935 und in der Deutsch-Chinesischen Nachrichten veröffentlichten Nachrufe. Letztere veröffentlicht einen Bericht von Emil S. Fischer , der 1933 auf einer seiner Reisen erkrankt und sich 350 Meilen über Berg und Tal zu Dr. Assmy tragen lässt. Da Dr. Paul Assmy ebenfalls schwer erkrankt ist, verweist er

Emil S. Fischer mit Diagnose und Behandlungsplan an die Ärzte in  das Syracuse-in-china Hospital , die ihm das Leben retten.  

In seinem Buch „Travels in China“ erzählt Emil S. Fischer ebenfalls von dieser Geschichte und erinnert sich an die seine beiden "Szechwan friends" Dr. Paul Assmy und Paul Schuchardt, die ihm während seiner Erkrankung halfen.

 

Nachruf in der „Deutsche Shanghai Zeitung 15.März 1935“

 

Unter Shanghai Allerlei

 

Im Memorian Dr. med. Assmy

 

Soeben erreicht uns die traurige Nachricht, dass Herr Dr. Assmy im Alter von 65 Jahren verschieden ist. Es ist mit ihm eine alte markante Persönlichkeit des Deutschtums in Chungking verschwunden, die durch treue Arbeit sich stets als guter Repräsentant des Deutschtums erwiesen hat. Herr Dr. Assmy ging aus der Pépinière, dem sogenannten Pfeifhahn in Berlin hervor und war damit ja von vornherein für die Laufbahn des Militärdienstes bestimmt. Als solcher kam er, schon in jungen Jahren zum Oberstabsarzt befördert, mach dem Osten, und damit war sein Schicksal besiegelt. Der Osten hielt ihn fest und hat ihn bis zu seinem Ableben festgehalte. Er war ein überaus treuer Freund der Chinesen und hat als solcher als Mensch und Arzt immer sein Bestes gegeben. Aus geringsten Mitteln wusste er Krankenhausmöglichkeiten, sowie sogar Stätte der wissenschaftlichen bakterie-serologischen Forschung zu schaffen und nie erlahmte sein Eifer, wenn es galt, der leidenden Menschheit zu helfen. Diese seine vornehme Pflichterfüllung wurde auch sein Schicksal, denn er hatte viele Jahre die Heimat nicht wiedergesehen und es wird wohl nur noch wenige geben, die sich seiner erinnern. Um so treuer wollen wir hier draußen, die wir seine treue Arbeitskraft und seine große Herzensgüte gekannt haben, ihm ein Denkmal in unserem Herzen errichten.

E.S.F

 

 

Dr. Paul Assmy ist auf dem Berggrundstück am Fuße einer Kiefer in Richtung der Stadt Chungking, in der er 29 Jahre lebte und wirkte, bestattet. 

 

 

  

Sein Grabstein im Jahr 1991, der zwischenzeitlich aufgearbeitet und umgesetzt wurde

 

 

 

Gedächtnisfeier für  Dr. P. Assmy in Chungking (im Jahr 1936)

 

Am Sonntag, dem 8. März, vormittags 11 1/2 Uhr, veranstaltete die Deutsche Gemeinde in Chungking eine Gedächtnisfeier für den vor einem Jahr verstorbenen Dr. med. P. Assmy. Die Feier fand statt an der unterhalb der Pagode bei dem neuen Berghaus des Herrn Dr. Assmy gelegenen schönen Grabstätte, die dieser selber noch bestimmt hatte und die inzwischen eine würdige Steineinfassung erhalten hat. Bei der Feier wurde der Witwe ein auf dem Grabe errichteter von den Deutschen Chungkings gestifteter Gedenkstein übergeben, der lediglich den Namen des Verstorbenen, sowie Tag der Geburt und des Todes trägt. Außer dem größten Teile der in Chungking ansässigen Deutschen wohnten noch einige Engländer, Russen, Schweden und Österreicher der Feier bei.
Herr Konsul Scheffler zeichnete in einer Ansprache das Wesen und Wirken Dr. Assmys, vor allem seine Schlichtheit, seine Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft, die ihm Ansehen und Freundschaft in Chungking eingetragen hat und hier nicht vergessen ist. Die Anwesenden ehrten alsdann das Andenken des Verstorbenen durch längeres Schweigen. Darauf sprach Herr Konsul Scheffler noch einige Dankesworte in Englisch an die erschienenen Ausländer.


(Quelle: Ostasiatische Rundschau, 17. Jg., Nummer 8 vom 16. April 1936. Der Hinweis auf diesen Zeitungsausschnitt stammt von Herrn König aus Berlin. Vielen Dank an dieser Stelle.)
 

 

 

 

 

 

(Quelle: Informationen, die sich auf die Tätigkeit als Arzt und Leiter der Poliklinik beziehen, sind überwiegend den Akten des Auswärtigen Amtes entnommen)

 

 

 

 

 

 

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